10.05.33 | 10.05.17

Die Bücherverbrennung 1933 in Berlin, organisiert von der Deutschen Studentenschaft, unterstützt durch das Reichsministerium, fand im Zuge der ‘Aktion wider den deutschen Geist’ kurz nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten statt. Das Feuer, als reinigendes Symbol, sollte die Säuberung des deutschen Geistes im Inneren und Äußeren kennzeichnen. Verbrannt wurden an diesem Tag, auf dem heutigen Bebelplatz vor der Humboldt-Universität zu Berlin, unter anderem Werke von Thomas Mann, Sigmund Freud, Erich Maria Remarque oder Karl Marx z.B. “für Pflege des kostbarsten Gutes unseres Volkes”. Joseph Goebbels, Reichspropagandaleiter, hielt zu diesem Anlass eine Rede. Er sprach zu den Studierenden:
Wenn Ihr Studenten Euch das Recht nehmt, den geistigen Unflat in die Flammen hineinzuwerfen, dann müsst Ihr auch die Pflicht auf Euch nehmen, an die Stelle dieses Unrates einem wirklichen deutschen Gut die Gasse freizumachen. Der Geist lernt im Leben und in den Hörsälen, und der kommende deutsche Mensch wird nicht nur ein Mensch des Buches, sondern auch ein Mensch des Charakters sein.“
Was ist der ‘deutsche Mensch’? In den letzten Jahren sind auch in Deutschland immer wieder Worte wie deutsch und nicht deutsch zu hören. Worte von Politikern, die dazu aufrufen, unsere Kultur zu verteidigen. Deutsche Populisten und Rechtsextremisten fordern dazu auf, deutsche Kultur zu erhalten und sich auf das ursprünglich Deutsche zu berufen. Sich vor dem Fremden zu schützen, zu verteidigen. Ängste sind natürlich und auch nützlich in bestimmten Situationen. Und Identität und damit auch kulturelle Identität bildet sich in Abgrenzung zu etwas oder jemandem. Erst im Erkennen des Fremden wird man sich darüber bewusst, wer man ist und wie man aussieht. Doch sollten Ängste und Unwissen nicht zur Abgrenzung oder Verurteilung des Fremden führen oder gar zu deren willentlichen Zerstörung. Wie kann man Ausrufen mit fremdenfeindlicher Motivation entgegentreten? Wie sich bei Familiengesprächen verhalten? Wie den Dialog mit KollegInnen führen, die Angst um ‘die deutsche Kultur’ und ‘das deutsche Volk’ haben und Angst vor Überfremdung spüren? – Sachlich und mit Argumenten, mit Fakten, mit Wissen und Geduld. Schon Hegel merkte an, dass nur demjenigen, welcher der Welt vernünftig entgegenblickt, die Welt vernünftig zurückschaut. Lest! Nur mit Wissen, können diffuse Ängste weichen und ein differenzierter Blick auf die Welt entstehen.

Wir können nicht rückgängig machen was am 10.05.33 in Berlin passiert ist, aber wir sind verantwortlich für unsere Zukunft. Dafür, dass solche Taten nicht noch einmal passieren. Lest an diesem Tag. Und nicht nur an diesem. Der 10. Mai 1933 soll uns daran erinnern, dass das geschriebene Wort Macht besitzt und wir den Zugang zu dieser Macht haben. Geht in Bibliotheken, tauscht Bücher mit Freunden aus und sprecht über das Gelesene.

Lesen gegen das Vergessen. Lesen für unsere Zukunft.

Euer Team von SolidariGee e.V.

 

Bücherverbrennung_1933_Lesen

 

Lesen gegen das Vergessen.
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